Unter dem Motto „Die Zukunft der Laienreanimation 2.0“ hat die Initiative Region Aachen rettet am Montag im großen Sitzungssaal der Kreisverwaltung Heinsberg ihre engagiertesten Ersthelfer*innen ausgezeichnet. Neben bewegenden Geschichten von Lebensrettungen standen auch neue Ideen für die Weiterentwicklung des Systems im Mittelpunkt.
Wenn jede Minute zählt
Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 120.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Jede Minute ohne Hilfe senkt die Überlebenschancen um etwa zehn Prozent. Genau hier setzt die Initiative an: Über die Region-Aachen-rettet-App werden qualifizierte Ersthelfer*innen alarmiert, die bereits vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Wiederbelebung beginnen.
Die Bilanz ist beeindruckend: 8.809 Helfer*innen sind inzwischen registriert, bei 5.757 Einsätzen konnten sie entscheidende Minuten überbrücken. Zudem stehen 1.039 Defibrillatoren zur Verfügung – über die Hälfte davon rund um die Uhr öffentlich zugänglich.
„Mit Region Aachen rettet zeigen wir, dass gemeinsames Handeln Leben rettet. Die Auszeichnung der Ersthelfer*innen ist ein starkes Signal: Jede und jeder kann im Notfall den Unterschied machen“, betonte Stephan Pusch, Landrat des Kreises Heinsberg.
Geschichten, die Leben schreiben

Besonders bewegend war die Ehrung von Ersthelfer*innen aus allen Gebietskörperschaften, die durch ihr beherztes Eingreifen Leben gerettet oder stabilisiert haben.
„Sie verkörpern, was wir in der Region erreichen wollen: Menschen, die nicht wegsehen, sondern handeln – und damit Vorbilder für andere sind“, sagte Mario Grau, Allgemeiner Vertreter des Landrats für den Kreis Düren.
Ein Beispiel ist Marvin Klöcker, Notfallsanitäter, der ein nur vier Monate altes Kind reanimierte. „Sein Einsatz zeigt eindrucksvoll die Bedeutung unseres Ersthelfersystems“, würdigte Andreas Bierfert, Fachbereichsleiter Feuerwehr und Rettungsdienst der Stadt Aachen.
Innovation aus Wassenberg

Auch neue Ansätze zur Reanimation wurden ausgezeichnet: Die Freiwillige Feuerwehr Wassenberg stellte ihr Pilotprojekt „Formel-1-Pit-Crew-Reanimation“ vor. Zehn Einsatzkräfte übernehmen dabei klar definierte Rollen und arbeiten eng mit dem Rettungsdienst zusammen – schnell, koordiniert, effizient. Bereits über 100 Feuerwehrleute sind dafür geschult und als Corhelper registriert.
Stellvertretend nahm Wehrleiter Martin Röthling die Ehrung entgegen.
Blick in die Zukunft

Die Initiative ruht sich nicht auf Erfolgen aus. Geplant sind der weitere Ausbau der digitalen Infrastruktur, noch mehr Ersthelfer*innen, ein niedrigschwelliger Zugang zu Erste-Hilfe-Kompetenzen und eine stärkere Verankerung der Wiederbelebung als Bürgerpflicht.
„Unser Ziel ist klar: Jede und jeder soll im Notfall helfen können – unabhängig von Alter oder beruflicher Qualifikation. Dafür bauen wir Hemmschwellen ab und schaffen Vertrauen“, betonte Ulla Thönnissen, Geschäftsführerin des Region Aachen Zweckverbands.
Auch Dr. Tobias Ahnert, Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes im Kreis Euskirchen, unterstrich: „Die Zukunft der Lebensrettung liegt im Ausbau von Strukturen und Kompetenzen – so entsteht ein Sicherheitsnetz, das im Ernstfall trägt.“
Ein starkes Netzwerk für die Region
„Region Aachen rettet ist längst mehr als ein Projekt. Es ist ein starkes Netzwerk, in dem alle gemeinsam für ein Ziel eintreten: Leben retten, verlässlich und zukunftsorientiert“, sagte Andreas Dovern, Leiter des Amts für Brandschutz, Rettungsdienst und Bevölkerungsschutz der StädteRegion Aachen.
Fotos: Pressestelle Kreis Heinsberg
